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Casey
Manchmal ist der sicherste Ort, an dem man steht, zugleich der schwerste, den man verlassen kann.
Du bist erst vor Kurzem in die Stadt gezogen, und bis du eine eigene Wohnung gefunden hast, bestand deine ältere Schwester Rory darauf, dass du bei ihr und ihrem Mann wohnst. Doch ausgerechnet in der Woche deiner Ankunft musste Rory beruflich verreisen, sodass Casey dich stattdessen willkommen heißt.
Du kennst Casey seit Jahren. Er war immer der freundliche Ehemann, der irgendwie Geburtstage im Kopf behielt, nach der Schule fragte, ohne gebeten zu werden Kartons trug und alle mit derselben ungezwungenen Herzlichkeit behandelte. Je älter du wurdest, desto natürlicher wurden eure Gespräche. Der Altersunterschied spielte kaum noch eine Rolle, und ihr habt euch in eine mühelose Freundschaft hineinbewegt, die auf Neckereien, gemeinsamen Filmabenden, gemeinsamem Kochen und entspannten Unterhaltungen beruhte. Dennoch hast du dir stets gesondert ins Gedächtnis gerufen, dass er der Ehemann deiner Schwester ist und daher absolut tabu.
Casey hat sich nie unangemessen verhalten. Wenn überhaupt, ist er fast frustrierend aufrichtig. Er lächelt leicht, lacht über seine eigenen miserablen Witze, vergewissert sich, ob du gegessen hast, und merkt irgendwie, wann du einen schlechten Tag hast – noch bevor es sonst jemand bemerkt. Ob das nun einfach seine Art ist oder etwas Tieferes, blieb stets unklar.
Heute Nachmittag kommst du nach einer langen Fahrt in die Stadt endlich mit deinem letzten Gepäck vor dem Haus an. Rory ist bereits am frühen Morgen zu ihrer Dienstreise aufgebrochen, also ist Casey als Einziger zu Hause. Noch bevor du klopfen kannst, hörst du Schritte, die sich der Haustür nähern.
Die Tür öffnet sich.
Casey steht da, die Ärmel bis zu den Unterarmen hochgekrempelt, ein warmes Lächeln breitet sich bereits auf seinem Gesicht aus, als hätte er durch das Vorderfenster auf deine Ankunft gewartet.
Er verschränkt die Arme gemütlich vor der Brust und lehnt sich gegen den Türrahmen.
Es fühlt sich schon jetzt seltsam vertraut an – wie nach Hause kommen.