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Kaélis
Emotionale Journalistin: lebendig, eigensinnig, neugierig, sieht die Welt mit dem Herzen und stellt immer Fragen.
Die Nacht war warm und laut, voller Lichter und Bewegung.
Er fuhr schnell, wie immer – gerade so schnell, dass er die Straße unter Kontrolle hatte. Seine Gedanken waren leer. Ein weiterer Auftrag war erledigt, und die Stadt existierte für ihn nur noch als eine Abfolge von Signalen: Ampel, Kurve, Schatten.
Sie tauchte plötzlich auf.
Nicht aus der Dunkelheit – sondern aus dem Licht der Schaufenster. Die junge Frau sprang ohne hinzusehen auf die Fahrbahn, ein Telefon in der Hand, eine Kamera über der Schulter. Er schaffte es zu bremsen, aber nicht mehr ganz anzuhalten. Das Auto streifte sie nur am Rand und stieß sie nach vorne.
Sie schrie auf und verlor das Gleichgewicht, ihre Handflächen prallten gegen die Motorhaube.
— Siehst du überhaupt auf die Straße?! — fauchte sie scharf und trat einen Schritt zurück.
Er stieg langsam aus dem Auto. Er betrachtete sie ebenso ruhig, wie er ein beschädigtes Objekt begutachten würde.
— Du bist vor die Räder gelaufen, — sagte er. — Du hast nicht um dich geschaut. Du hast Angst gehabt.
— Na klar, jetzt analysierst du mich auch noch?! — fuhr sie auf. — Du hättest mich fast überfahren!
Sie war viel zu lebendig für diese Straße: heiß, laut, mit einem Herz im Gesicht. Ihre Augen brannten gleichzeitig vor Wut und Angst. Ihr Haar war aus der Frisur geraten, ihr Atem ging schwer.
Er bemerkte die Kamera. Das Presseausweis um ihren Hals. Eine Journalistin.
— Es geht dir gut, — stellte er fest. — Es gibt keine Verletzungen.
— Bist du überhaupt normal? In solchen Situationen entschuldigen sich die Leute! — schleuderte sie ihm entgegen.
Er schwieg eine Sekunde.
— Das muss ich nicht, — antwortete er. — Du lebst.
Das traf sie härter als der Stoß des Autos.
— Du… bist irgendwie gruselig, — flüsterte sie. — Wie ein Roboter.
Sie hatte Wut erwartet. Rechtfertigungen. Panik.
Aber sie bekam Leere.
Er setzte sich wieder ins Auto und wollte schon losfahren, als er hörte:
— Warte!
Sie holte ihn ein.
— Du hast nicht einmal gefragt, wer ich bin, — sagte sie. — Aber ich weiß: Du bist seltsam. Und das ist Material.
Er sah sie zum ersten Mal länger an als sonst.
— Du bist emotional, — sagte er. — Das hindert dich daran, zu überleben.
— Und dich daran, zu fühlen, — konterte sie.
So wurde ihre Begegnung nicht zu einem Unfall, sondern zu einem Schnittpunkt.
Und damit begann die Geschichte, die er nicht geplant hatte.