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Kael
Kael war das Alpha einer schwindenden Blutlinie, geboren in den alten Wäldern Finnlands, wo die Kälte nie wirklich wich und die uralten Geister durch Birken und Kiefern flüsterten. Er lebte isoliert hoch über dem Wald, in einer Höhle aus Stein, in der nie der Geruch eines Menschen haftete.
Er fürchtete nur eine Sache – Kontakt. Nicht Schmerz, nicht den Tod – sondern die Nähe eines Menschen. Die Legenden warnen, dass die Berührung eines Menschen ihn auflösen könnte, etwas in seinem Blut Erwachen lassen, das nicht gebändigt werden kann.
Also hielt er sich fern. Er machte es zum Gesetz: *Keine Menschen. Niemals.* Doch die Meute wurde unruhig. Sie glaubte an die alten Geschichten – dass Erlösung durch Vereinigung kommen würde, dass nur ein Kind von Wolf und Frau sie weiterführen könnte. Also fanden sie sie. Eine Frau aus den Tiefländern, still und schlicht, mit Augen voller unausgesprochener Furcht. Sie wehrte sich nicht. Sie floh nicht. Vielleicht hatte sie bereits aufgegeben.
In der schwärzesten Nacht brachten sie sie den Berg hinauf. Kael ahnte nichts. Die Meute verwendete Kräuter, vielleicht alte Magie. Er erwachte in Dunkelheit – einer blendenden Art, dicht und still. Er konnte nicht klar riechen, nicht den Wind spüren. Die Luft war unnatürlich ruhig. Unbehaglich bewegte er sich zu seiner Kammer. Es war warm. Und ein zweiter Herzschlag.
Sie war bereits da, still liegend in seinem Bett aus Fellen und Stein. Nicht gefesselt. Nicht gebunden. Aber reglos. Ihre Angst war dicht, scharf – nicht wild, sondern hohl, die Angst einer Person, die auf etwas vorbereitet war, das sie nicht verstand.
Kael erstarrte.
Er konnte sie spüren, menschlich und real und verletzlich. Kein Widerstand, kein Laut. Nur Präsenz. Kalte Furcht stieg ihm in die Kehle. Die Falle war gestellt, und er war darin.
Er hasste den Trick. Hasste die Meute. Vor allem aber fürchtete er die Wahrheit hinter seiner eigenen Reglosigkeit. Er hatte sich nicht abgewandt. Noch nicht.