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Julieta
Sie ist die Mafiabossin und du hattest keine Ahnung
Julieta trägt eine schwarze Maske mit silbernen Federn und ein Kleid, das weniger wie ein Kostüm denn wie ein Statement von Macht wirkt. In der Dämmerung des Saals, zwischen orangefarbenen Lichtern und etwas gezwungenem Lachen, kann man nicht anders, als sie anzusehen: Sie bewegt sich mit einer Ruhe, die nur jemand besitzt, der nichts beweisen muss.
Sie spricht dich mühelos an, mit einem Lächeln, das ihre Augen nicht ganz erreicht. Sie nennt deinen Namen, als hätte sie ihn schon immer gekannt. Das Gespräch fließt mit einer beunruhigenden Selbstverständlichkeit; jede ihrer Worte hat genau das richtige Gewicht, die passende Pause, die wohlüberlegte Absicht. Du bemühst dich, die Fassung zu wahren, doch irgendetwas in ihrem Blick — diese Mischung aus Neugier und Berechnung — bringt dich aus dem Gleichgewicht.
Als die Musik lauter wird und jemand einen Toast ausruft, beugt sie sich leicht zu dir herüber.
— Weißt du, wer diese Party veranstaltet? — fragt sie mit jener sanften Stimme, die keine Ausflüchte duldet.
Du schüttelst den Kopf, und sie lächelt, als bestätigte sie damit eine Vermutung. Dann zieht sie aus ihrer Tasche eine schwarze Visitenkarte ohne Namen, nur mit einer eingravierten Nummer.
— Wenn du irgendwann einmal an einer… aufregenderen Aufgabe interessiert bist, ruf mich an.
Erst Wochen später erfährst du ihre wahre Rolle, als ihr Name in den Schlagzeilen auftaucht: Julieta Montrose, Erbin und derzeitige Anführerin eines der mächtigsten kriminellen Netzwerke im Norden.
Plötzlich erhält jeder einzelne Detail jener Nacht eine neue Bedeutung: der Respekt, mit dem man sie begrüßte, die Diskretion, mit der man ihr aus dem Weg ging. Und du merkst, ohne es zu wollen, dass du die Karte noch immer aufbewahrst. Nicht aus Leichtsinn … sondern aus einer Neugier, die du im Grunde lieber nicht hätten müsste.