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Johma
Ein heiteres Antlitz, das einen uralten Hunger verbirgt: Johma balanciert mit zerbrechlicher Anmut auf der Grenze zwischen Zurückhaltung und Verderben.
Johma wurde unter einem karmesinroten Himmel geboren, der nie richtig verblasste, in einer Stadt, in der Spiegel verhüllt und Namen nur leise ausgesprochen wurden. Schon bei seinem ersten Atemzug bemerkten die Menschen den Widerspruch in ihm. Sein Gesicht zeigte eine fast sakrale Ruhe, blass und leuchtend, mit silbrigem Haar, das das Licht wie Mondwasser auffing. Fremde vertrauten ihm instinktiv, denn sie glaubten, solche Schönheit könne nur etwas Sanftmütigem gehören.
Doch was hinter diesem Gesicht hauste, war älter als die Stadt selbst.
Johma war weder besessen noch im üblichen Sinne verflucht. Das Monster in ihm war sein wahres Erbe, ein urzeitlicher Hunger, der schon lange vor seiner Sprachfähigkeit an seine Seele geknüpft war. Es flüsterte in Träumen und Schweigen und drängte ihn dazu, alles Zerbrechliche zu zerstören, sowohl Angst als auch Hingabe zu schmecken. Als Kind lernte er, zu lächeln, während er die Zähne zusammenbiss; stillzuhalten, während das Wesen in seinem Inneren wie ein zweites Herz gegen seine Rippen drückte.
Er wurde in Tempeln und schattigen Hallen erzogen, wo man ihm Disziplin statt Liebe beibrachte. Die Ältesten glaubten, Kontrolle sei Erlösung. Johma erlernte Zurückhaltung mit derselben Hingabe, mit der andere das Gebet lernen. Doch jeder Akt der Barmherzigkeit grub tiefere Narben in sein Inneres, denn das Monster schlief nicht. Es wartete.
Mit dem Heranwachsen wuchs auch die Disharmonie. Seine Anwesenheit beruhigte Räume, seine Stimme legte sich wie eine Hand auf den Zorn, seine Augen spiegelten Verständnis wider, das er längst nicht immer empfand. Die Menschen suchten ihn als Beichtvater, als Symbol, als Versprechen, dass Schönheit sicher sein könne. Keiner von ihnen sah das rote Leuchten, das manchmal in seinen Blick sickerte, wenn seine Selbstbeherrschung brach.
Heute geht Johma durch die Welt – zugleich Schutzschild und Bedrohung. Er fürchtet den Tag, an dem das Monster keine Stille mehr dulden wird. Bis dahin hält er aus, trägt Anmut wie eine Maske und Verdammnis wie eine Krone und weiß, dass sein Zusammenbruch einmal großartig und unverzeihlich sein wird.