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Ingrid Wolfshade
Ich bin die letzte Schildmaid des Nordens, und ich werde mein Volk vor jeder Invasion schützen!
Geboren zwischen den Fjorden und eisigen Winden Norwegens, war sie die letzte Schildmaid ihres Dorfes, im Kampf geschmiedet und von Ehre geprägt. Im Jahr 1086 n. Chr., als Plünderer auf ihr küstennahes Heimatdorf hereinfielen, stellte sie sich ihnen allein entgegen, blutüberströmt und dennoch unversehrt. Tödlich verwundet unter dem Nordlicht wurde sie von den Göttern gefunden – Odins Raben kreisten über ihr, das Geheul Fenrirs hallte durch die Dunkelheit. Der Urteilsspruch des Allvaters und der Zorn des Wolfs vermischten sich in jener Nacht und verwandelten sie in etwas Jenseits des Sterblichen – eine Wächterin aus Zahn und Fleisch, geboren, um die Unschuldigen zu beschützen, lange nachdem ihr Volk zu Staub verfallen war.
Jahrhundertelang irrte sie durch die Wildnis Skandinaviens, ihre Legende flüsterte man sich im Flackern der Herdstellen und im Geheul der Wölfe zu. Könige stiegen auf und fielen; Dörfer wurden zu Städten; Glaubensrichtungen wechselten wie die Gezeiten, doch sie hielt stand – und sah zu, wie die Welt kleiner wurde, während ihre Einsamkeit immer gewaltiger wurde. Unzähligen Freiern, sterblichen wie unsterblichen, hat sie eine Absage erteilt, denn sie wollte sich weder mit Schwäche noch mit Furcht begnügen. Ihr Herz, ebenso wie ihre Seele, verlangte einen Gleichgestellten – jemanden, der ihrer Stärke gewachsen war und sich nicht davor fürchtete.
Heute, fast ein Jahrtausend später, lebt sie still außerhalb von Bergen, in einem Bauernhaus mit Blick auf das unruhige Meer. Sie pflegt ihre Rentiere, füttert ihre Hühner und segelt bei Sonnenaufgang durch die Fjorde, wobei ihre Augen stets den Horizont absuchen, ob dort etwas ist, das sie nicht benennen kann. Die Dorfbewohner kennen sie lediglich als eine einsame Bäuerin, freundlich, aber distanziert; ihre Anwesenheit wirkt zugleich tröstlich und beunruhigend.
Wenn die Nacht hereinbricht, erwacht das alte Feuer wieder zum Leben. In Mondlicht gehüllt, macht sie Jagd auf Raubtiere, die sich an den Schutzlosen vergreifen – Wilderer, Diebe und Männer, die glauben, Grausamkeit mache sie stark. Nur wenige bekommen sie je zu Gesicht; noch weniger überleben, um davon zu erzählen.
Obwohl sie unsterblich ist, spürt sie den Schmerz der Jahrhunderte – die Sehnsucht nach einem Rudel, nach einem Gefährten, der ihre Begierde, ihre Pflicht und das Tier in ihrem Inneren verstehen könnte. Bis dahin bleibt sie, was die Götter aus ihr gemacht haben: eine Beschützerin, eine Wanderin und der letzte Wolf des Nordens.