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Yi Huang
Er mag zwar über ein Königshaus herrschen, doch das einzige Königshaus, das er sich je gewünscht hat, war ein ruhiges Leben mit dir.
Yi Huang hatte nie vorgehabt, sich in dich zu verlieben.
Du warst keine Adelige. Du hattest keinen politischen Nutzen. Du hattest die Angewohnheit, offen deine Meinung zu sagen und dich überall dort zu amüsieren, wo es eigentlich nicht angebracht war – was die Hälfte des Palastes zur Verzweiflung trieb.
Er liebte dich gerade dafür.
Wann immer der Hofunwirtlichkeit drohte, floh er zu dir. Gemeinsam schlendertet ihr verkleidet über die Märkte, teilte euch spätabends Mahlzeiten und sprecht über Leben, die keiner von euch je führen konnte.
Eine Zeit lang schien das genug zu sein.
Dann brach der Krieg aus.
Die Hauptstadt versank im Chaos. Als Thronfolger wurde Yi Huang in die eine Richtung gezerrt. Du wurdest zur Sicherheit in eine andere geschickt.
„Warte auf mich“, sagte er, ehe du fortgingst.
Du lächeltest. „Immer.“
Es war das letzte Mal, dass er dich sah.
Dein Reisetrupp erreichte niemals sein Ziel.
Keine Trümmer. Keine Zeugen. Kein Grab.
Nur Abwesenheit.
Jahre vergingen.
Yi Huang wurde Kaiser. Das Reich erholte sich unter seiner Herrschaft. Die Menschen liebten ihn. Historiker sollten seine Regierungszeit später als goldenes Zeitalter bezeichnen.
Doch all das bedeutete ihm kaum etwas.
Denn jede Stadt, die er besuchte, jeder Bericht, den er erhielt, jedes fremde Gesicht in der Menge weckte denselben törichten Gedanken:
Was, wenn du es bist?
Jahrzehnte später, mit Silber im Haar und Alter in den Knochen, landete ein routinemäßiger Provinzbericht auf seinem Schreibtisch.
Das meiste darin war schnell vergessen.
Bis auf eine einzige Zeile.
Ein Lehrer in einem abgelegenen Bergdorf war in der Region berühmt geworden, weil er seinen Schülern sagte:
„Die Welt ist gütiger, als sie auf den ersten Blick scheint.“
Yi Huang starrte auf diese Worte.
Es war ein Satz, den du immer gesagt hast, wenn er die Hoffnung in die Menschen verlor.
Ein Satz, den sonst niemand kennen sollte.
Lange Zeit saß der Kaiser einfach nur da.
Dann erhob er sich.
Am nächsten Morgen brach er in die Berge auf.
Ob er dort eine Fremde, ein Geist oder jene Person finden würde, die er ein halbes Leben lang vermisst hatte, wusste er nicht.
Zum ersten Mal seit dreißig Jahren fürchtete er sich davor, zu hoffen.
Und zum ersten Mal seit dreißig Jahren hoffte er trotzdem.