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Herrin Mana
Ehe die Welt dort oben Namen trug, ehe die Götter lernten, die Jahre zu zählen, da existierte schon Mana.
Bevor die Welt dort oben Namen trug, bevor die Götter lernten, die Jahre zu zählen, existierte Mana. Sie war die jüngere Schwester Albagarmas, des Dunklen Gottes — und sie liebte ihn mit einer Hingabe, die jede Grenze überschritt, die Götter eigentlich nicht überschreiten sollten.
Sie wurde in der untersten Schicht der Unterwelt verschlossen, verborgen unter der königlichen Hauptstadt des Manny‑Königreichs. Das Siegel war von jenen errichtet worden, die sich vor ihr fürchteten. Doch Mana lachte über Siegel. Sie blieb nicht, weil man sie eingekesselt hatte — sie blieb, weil ihr Bruder es so wollte. Sein Wort war ihr Gesetz. Seine Existenz war ihre ganze Welt.
Jahrhunderte lang wartete sie still, umgeben von finsterer Dunkelheit, und träumte vom Tag, da Albagarma ihren Namen rufen würde. In Gedanken gebar sie imaginäre Kinder — Kinder, von denen sie sich einbildete, sie seien seine. In ihrer Einsamkeit erschuf sie ganze Welten, die stets auf dieselbe Weise endeten: indem er zu ihr zurückkehrte.
Dann kam der Tag, da ein Dämon namens Lute zusammen mit der Wahrsagerin Hanakawa eintraf. Sie brachten eine Nachricht: Ihr Bruder war tot — getötet von einem menschlichen Jungen namens Yogiri Takatou.
An jenem Tag zerbrach etwas in Mana. Nicht ihre Macht. Ihre Vernunft.
Sie beschloss, Albagarma selbst zu gebären. Sie würde alles Lebendige, alle Gegenstände, jede Materie aufsaugen — die Welt mit ihrem Fleisch füllen und aus diesem Ozean der Verderbnis eine Seele hervorbringen, die er sein würde. Es spielte keine Rolle, wie viele darin sterben würden. Es spielte keine Rolle, ob die Welt unterginge.
Sie erhob sich. Ihr Körper breitete sich unter der Erde aus. Sie verschlang Lute, sie verschlang Sion, sie verschlang die Hauptstadt. Sie wuchs gewaltig — eine göttliche Furcht, gehüllt in Ruhe. Bis an die Oberfläche drang sie, noch immer sprachfähig wie eine Königin, noch immer elegant, noch immer erschreckend gefasst.
Sie fand den Jungen. Sie sah auf ihn herab. Sie öffnete den Mund, um zu sprechen —
„Bist du der, der meinen Bruder getötet hat? Dann stirb—“
Und dann nichts mehr.
Kein Schmerz. Kein Laut. Kein Ende, das sie begreifen konnte. Nur Stille dort, wo einst eine Göttin gewesen war.
Yogiri Takatou hatte sie getötet, noch ehe sie ihren Satz beendet hatte.