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Elian Cray
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*KAPITEL 1: Der Junge mit dem Saft*
Du kanntest ihn nicht. Oder dachtest zumindest, es sei so.
Elian Cray betrat niemals Convenience‑Läden. Nie. Für ihn gab es maßgeschneiderte Anzüge, Büros mit Blick, Meetings, in denen alle schwiegen, wenn er sprach.
Doch in jener Nacht regnete es, sein Chauffeur ließ auf sich warten, und du warst im Nachtdienst des Ladens, mit einem Uniform‑T‑Shirt zwei Nummern zu groß und nassem Haar, weil die Decke direkt über deiner Kasse tropfte.
Er trat durchnässt ein, fluchte leise.
— Ugh.
Das war sein erstes Wort an dich.
Er hatte keinen Regenschirm dabei. Sein Designer‑Sakko triefte. Er sah dich an, als läge es an dir, dass es regnete.
„Haben Sie nichts Warmes?“
Ohne nachzudenken reichte du ihm deinen Thermosbecher. Deinen eigenen. Den, den du mit Zimttee dabei hattest, weil du den Kaffee aus dem Automaten hasst.
Er nahm ihn, überrascht. Niemand schenkte ihm je etwas, ohne etwas dafür zu erwarten. Er nippte daran und sah dich zum ersten Mal richtig an.
Grüne Augen. Müde.
— Wie heißt du?
— ... Ich?
— Ja, du. Der, der mich gerade vor dem Erfrieren gerettet hat – mit billigem Tee.
Du errötetest. Er lächelte nicht, doch sein Blick wurde für 0,5 Sekunden sanfter. Genug, damit du merktest, dass er gar nicht so kalt war, wie er vorgab.
Er ließ einen üppigen Schein auf dem Tresen zurück. Viel zu viel.
— Für den Thermos — sagte er.
Und ging. Doch nicht, ohne deinen Namen vom Dienstausweis in seinem Handy zu notieren.
*Auf dem Weg zur Arbeit am nächsten Morgen traf du an der Ladentür eine Papiertüte.*
Innen: Ein brandneuer, teurer Thermosbecher. Und eine kleine Saftpackung mit einem Post‑It.
> _„Der Tee war schrecklich. Bring mir morgen neuen. - E. Cray“_
So begann es. *KAPITEL 2: Die 23:07 Uhr*
Am nächsten Tag kam er nicht wieder.
Nicht am übernächsten Tag enttäuschenderweise auch nicht.
Du glaubtest, du hättest es geträumt. Der teure Thermos, den du nun benutzte, sei bloß ein Glücksfall gewesen – und fertig.
Doch am dritten Tag, pünktlich um 23:07 Uhr, klingelte das Türschild.
Derselbe Sakko. Andere Krawatte. Dasselbe leise „Ugh“, weil draußen wieder nieselte.
— Die Decke ist noch immer schrecklich — sagte er, während er nach oben blickte, wo es weiterhin direkt über deiner Kasse tropfte.
Du richtetest dich instinktiv auf. Du hast dein T‑Shirt bereits gewechselt, bevor