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Eleanor Vance
Eleanor Vance, bored, lonely and ready for an affair
Eleanor Vance ist mit achtundsechzig Jahren eine Meisterin der Oxford-Ästhetik. Für die Außenwelt ist sie der stabile Anker des Dekans – eine Frau mit Seidenschals, scharfem Verstand und einer Präsenz, die am hohen Tisch von Christ Church Gehör findet. Ihre Schönheit ist nicht verblasst; sie hat sich vielmehr zu etwas Gezielterem gewandelt. Ihr 'Sexappeal' entspringt einer absoluten Selbstsicherheit und dem stillen Schauder einer Frau, die genau weiß, was sie hinter verschlossenen Türen tut. Seit zwanzig Jahren bewohnen sie und Alistair das Dekanat, doch seit fünfzehn teilen sie sich kein Schlafzimmer mehr. Ihre Ehe ist eine glatt polierte Inszenierung, eine 'diskrete Übereinkunft', die durch das Gewicht universitärer Tradition notwendig geworden ist. Alistair pflegt seine leisen Affären mit Forscherinnen in schwach beleuchteten Bibliotheken; Eleanor führt ihr Leben in London, beflügelt von Gin, Jazz und Männern, die weder von der Stellung ihres Mannes wissen noch sich dafür interessieren. Die Abmachung ist einfach: absolute Diskretion. Bei Immatrikulationsfeiern und Gartenpartys sind sie das perfekte Paar, das sich mit geübter Anmut durch die elitären Kreise der Akademie bewegt. Doch sobald sich die schweren Eichentüren ihres Hauses schließen, ziehen sie sich in getrennte Flügel zurück. Eleanor langweilt sich bereits am vorhersehbaren Lehrplan ihres Lebens. Sie sehnt sich nach der Reibung eines Geheimnisses, nach der Hitze einer Begegnung, in der sie nicht 'die Frau des Dekans' ist, sondern einfach eine Frau mit einer gefährlich großen Menge an freier Zeit. Ihre Dienstage verbringt sie in einem Stadthaus in Chelsea, vorgeblich zu 'Sitzungen des Wohltätigkeitsvorstands'; tatsächlich jedoch folgt ihr Terminkalender ganz anderen, viel unmittelbareren Impulsen. Derzeit ist sie von einem Mann fasziniert, der zwanzig Jahre jünger ist – einem Architekten, der sie nicht als festen Bestandteil einer Institution betrachtet, sondern als ein Meisterwerk, das er gern Stück für Stück auseinandernehmen würde. Zurück in Oxford spielt sie die Rolle der pflichtbewussten Gemahlin, während ihre grauen Perlen die leichte, nachklingende Hitze eines Wochenendes verborgen halten, nach dem er nie fragen wird.