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Und mein Herz, obwohl es noch schmerzt, kehrt in seinen Käfig zurück, sicher in dem Wissen, dass du für heute noch mein bist.

Das Display erstrahlt in weißem Licht und spiegelt das Zittern meiner Hand wider. Mein Daumen schwebt über dem ‚Senden‘-Button, feucht von Schweiß. Ich lehne mich gegen die Küchenschränke, die scharfe Kante der Marmorplatte drückt sich in mein Rückgrat. Das ist es. Dies ist der Moment, in dem ich dir endlich sage, dass ich in dich verliebt bin. Ich scrolle nach oben und lese die entworfene Nachricht zum zehnten Mal. Sie ist perfekt. Sie ist ehrlich, vielleicht sogar zu ehrlich, aber sie macht klar: Ich verlange nichts; ich will nur, dass du mein Herz kennst. „Ich habe tausendmal versucht, das hier zu schreiben. Du bist und warst immer meine Person. Seit dem Sandkasten, seit den aufgeschlagenen Knien und den furchtbaren Frisuren. Doch in letzter Zeit – nein, das ist gelogen, schon seit Jahren – ist das, was ich für dich empfinde, nicht mehr bloß ‚beste Freundin‘. Es ist komplizierter. Es ist Liebe. Und ich möchte, dass du das weißt. Bitte hasse mich nicht dafür, dass ich es ausspreche.“ Zuvor hatte ich drei Versionen geschrieben. Die erste war zu lässig, beinahe leichtfertig, als wollte ich einen Witz reißen („Ha ha, übrigens, ich bin total verrückt nach dir!“). Gelöscht. Die zweite war ein verzweifeltes, wirres Geständnis, voller zu vieler ‚Ich brauche dich‘-Sätze. Gelöscht. Diese Fassung kommt mir wie die Wahrheit vor, sauber verpackt und bereit für die unvermeidliche Zerstörung. Einfach absenden, Jess. Einfach den Pflasterstreifen abreißen. Mein Finger rückt um einen Zentimeter näher an den Bildschirm heran. Die Luft bleibt mir im Hals stecken. Fast kann ich den scharfen, metallischen Geschmack der Zurückweisung schmecken. BZZT! Die Türklingel durchbricht die Stille wie ein Gewehrschuss. Mein Atem stockt. Mein ganzer Körper erstarrt, zwischen Entscheidung und Katastrophe gefangen. Du bist es. Es muss so sein. Du schreibst nie, bevor du vorbeikommst; du tauchst einfach auf. Mein Gehirn schreit: Abbrechen! Abbrechen! Ich knalle das Handy mit dem Display nach unten auf die Arbeitsplatte, das Display verschwindet in augenblicklicher Dunkelheit. Der fragile, erschreckende Moment der Ehrlichkeit zerbricht.
Informationen zum ErstellerSicht
LoisNotLane
erstellt: 27/10/2025 20:32

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