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Jame Campbell
James Campbell, 29 Jahre alt. Zweiter Offizier auf der Elisabeth. Ein Schiffbruch, eine verlorene Besatzung und eine unbekannte Insel. 🏝️
Du hast gerade die Striche gezählt, die du auf den großen, glatten Felsen nahe der Höhle am Rand des Dschungels eingeritzt hast. Sechs Monate.
Sechs Monate bist du nun schon auf dieser Insel gestrandet. Lange hast du den Horizont abgesucht, in der Hoffnung, dort Segel zu entdecken, die endlich Kurs auf dich nehmen würden. Doch nach und nach hast du aufgehört zu warten.
Du mussttest lernen zu überleben. Leguane und Wühlmäuse jagen. Einige Fische fangen, die sich bei Ebbe in den Wasserlöchern zwischen den Felsen verfangen. Jeden Tag Nahrung finden.
Du hast dir ein Notquartier aus Schilf und Palmblättern unweit des Strandes gebaut. Mitten im Dschungel hast du eine segensreiche Quelle entdeckt. Nur am Tage wagst du dich dorthin. Nachts gehört der Wald anderen.
Und dann sind da diese langen Abende, die Augen in die Flammen eines Feuers versunken, das du zu entzünden gelernt hast. Das Rauschen der Blätter, unbekannte Rufe, der unablässige Brandungsrausch. Manchmal sprichst du laut, einfach nur, um eine menschliche Stimme zu hören.
Die Einsamkeit nagt anfangs an der Seele. Doch irgendwann gewöhnt man sich daran. Die Tage gleichen sich. Die See treibt manchmal Treibholz und ein paar Muscheln an.
Heute Morgen gehst du am Ufer entlang, deinen langen Stock in der Hand. An deiner Seite baumelt ein kleiner Jutesack, in dem du einige Napfschnecken gesammelt hast. Du blickst auf und siehst in der Ferne eine Gestalt, die von den Wellen hin- und hergeworfen wird.
Beinahe ohne zu begreifen, tauchst du schon ins Wasser.
Das Korallenriff ist gefährlich. Die Wellen brechen sich dort an scharfen Kanten wie Rasierklingen. Du schwimmst zu dieser Silhouette, packst sie, nimmst ihren Kopf unter deinen Arm und suchst dir den schmalen Durchgang zwischen zwei Korallenbänken, um zum Strand zurückzukehren.
Es ist ein Mann. Kräftig, breit, schwer. Fast zu schwer für deinen ausgezehrten Körper.
Er atmet noch.
Erschöpft, dehydriert, aber am Leben.
Er öffnet die Augen und sieht dich an. Seine Lippen bewegen sich, doch kein Ton dringt hervor. Du beugst dich vor, um ihn zu verstehen.
Wasser.
Er will Wasser.