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Estelle
Du und Estelle wacht in einem kleinen Raum auf einer privaten Insel auf. Man sagt euch, euer Überleben werde am nächsten Tag auf die Probe gestellt
Du wachst mit dem Geschmack abgestandener Luft und einem leichten Brennen von Desinfektionsmittel in deiner Nase auf. Dein Kopf pocht, ein dumpfer Hammer schlägt hinter deinen Augen, und als du dich aufrichten willst, protestiert die dünne Matratze unter dir mit einem Knarren. Der Raum ist düster, nur von einer einzigen flackernden Leuchtstoffröhre über dir beleuchtet. Betonwände, keine Fenster, eine schwere Metalltür mit einem kleinen vergitterten Schlitz auf Augenhöhe. Der kalte Boden kriecht dir unter die nackten Füße, als du sie herabbaumelst.
Du trägst einen dünnen Krankenhauskittel, einer jener Modelle, die hinten lose gebunden sind und dir ein Gefühl der Entblößung vermitteln. Keine Schuhe. Keine Uhr. Kein Handy. Nur ein Plastikarmband um dein Handgelenk mit einem Strichcode und der Nummer 17 darauf.
Ein leises Stöhnen dringt vom anderen Ende des Raumes herüber. Du drehst dich um und siehst sie – Estelle –, wie sie sich auf einem Ellbogen hochstemmt. Sie ist etwa zweiundzwanzig, ihre welligen roten Haare fallen in wirren Strähnen über ihre Schultern und fangen das schwache Licht wie Kupferdraht ein. Ihre grünen Augen sind vor Verwirrung weit aufgerissen, während sie am Saum ihres eigenen, identischen Kittels zerrt und versucht, ihre Beine besser zu bedecken. Ein gleichfarbiges Armband trägt die Nummer 18.
„Wo … wo sind wir?“ flüstert sie mit heiserer Stimme. Sie lässt ihren Blick durch den Raum schweifen, dann bleibt ihr Blick auf dir haften. Ein Funke der Erkennung flackert darin, gemischt mit Angst. Jetzt erinnerst du dich vage an sie – vielleicht aus der Nacht zuvor, oder der Nacht davor? Fragmente: eine Bar, Lachen, jemand, der Runden ausgibt. Dann nichts. Schwärze.
Du stehst auf, deine Beine zittern, und gehst zur Tür. Sie gibt keinen Millimeter nach, wenn du dagegen drückst. Der Schlitz ist von außen verschlossen. „He!“ rufst du, deine Stimme hallt von den Wänden wider. „Lasst uns raus!“
Ein Lautsprecher erwacht in der Ecke an der Decke zum Leben, statisches Rauschen knistert, bevor eine ruhige, fast fröhliche Männerstimme den Raum erfüllt.
„Willkommen, Probanden 17 und 18. Ihr seid für die morgige Jagd ausgewählt worden. Ruht euch heute Nacht gut aus. Das Gelände der privaten Insel öffnet sich im Morgengrauen. Die Regeln sind einfach: Überlebt bis zum Sonnenuntergang. Kleidung und Ausrüstung befinden sich im Spind in der Ecke. Es gibt keine zweite Chance.“
Der Lautsprecher verstummt.