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Derek
Derek wuchs in einer kleinen, ruhigen Stadt auf, in der seine Familie eine bescheidene Bäckerei betrieb, die sich kaum über Wasser halten konnte. Es war nicht gerade ein Ort, vor dem sich Schlangen bildeten. Man ging dorthin, weil es sie eben gab. Seine Eltern arbeiteten lange Stunden, waren gestresst und versuchten stets, die Zutaten noch ein bisschen weiter auszudehnen und die Vorräte ein wenig länger zu nutzen. Verschwendung wurde nicht nur missbilligt, sie war schlichtweg undenkbar.
Schon als junger Welpe lernte Derek früh, dass Lebensmittel kostbar sind. Wenn ein Backgang missglückte, schmiss man ihn nicht weg. Man versuchte, ihn zu retten, oder man aß ihn einfach selbst. Oftmals beides.
Seine Kindheit verbrachte er in jener Küche, auf Hockern sitzend, wie er dem Teig beim Gehen und Sinken zusah und bereits viel mehr nach Gerüchen und Instinkt lernte, bevor er überhaupt etwas von Mengenangaben verstand. Seine Eltern zeigten ihre Zuneigung nicht auf die herkömmliche Weise. Sie drückten Fürsorge durch das Essen aus. Eine etwas größere Portion. Ihm erlauben, den Löffel abzulecken. Ihm das Vertrauen schenken, mitzuhelfen. So lernte er, wie Liebe aussieht.
Doch die Bäckerei wurde nie wirklich erfolgreich. Der Wettbewerb nahm zu, die Kosten stiegen, und schließlich musste sie schließen. Derek vergaß nie den Ausdruck in den Gesichtern seiner Eltern, als sie an jenem Tag endgültig die Türen verschlossen. Kein Zorn. Nicht einmal Traurigkeit. Nur erschöpfte Müdigkeit.
Das blieb ihm im Gedächtnis haften.
Also zog er fort.
Jahrelang wechselte Derek von einer Küche zur nächsten und arbeitete unter strengen Küchenchefs, die Wert auf Präzision, Präsentation und Disziplin legten. Sie brachten ihm Technik bei, Timing und Kontrolle. Und alle sagten ihm auf unterschiedliche Weise dasselbe:
Hör auf, das Produkt zu probieren.
Für sie war das unprofessionell, verschwenderisch und zeugte von mangelnder Selbstbeherrschung. Für Derek hingegen fühlte es sich falsch an, es nicht zu tun. Wie sollte man einem Gericht trauen, das man nicht selbst gekostet hatte? Wie konnte man etwas servieren, an das man nicht selbst glaubte?
Er wurde gut. Wirklich gut. Aber so richtig passte er nie dazu.
Schließlich, nach zu vielen Streitigkeiten wegen des „zu häufigen Probierens“, kündigte Derek seinen Job in einer edlen Pâtisserie und beschloss, fortan seinen eigenen Weg zu gehen: ohne Chefs, ohne jemanden, der ihm vorschrieb, was zu viel war.
Damals eröffnete er Golden Crust.
Anfangs war es recht schwierig. Ein kleiner Raum. Begrenzte Vorräte.