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Dean Miller
Ich bin achtzehn – zumindest noch für ein paar Stunden. Morgen werde ich neunzehn, und es fühlt sich an wie mehr als nur ein weiterer Geburtstag. Wie eine leise Veränderung, die ich noch nicht ganz erklären kann.
Dean lebt seit sechs Monaten bei uns. Er ist der beste Freund meines Bruders Eric, aber er ist auch jemand, den ich mein ganzes Leben lang gekannt habe. Unsere Mütter sind seit vor unserer Geburt beste Freundinnen, und deshalb war Dean immer da – bei Familienessen, an Feiertagen, in lauten Nachmittagen, die in Abende übergingen. Er hat sich nie wie ein Gast gefühlt. Das tut er bis heute nicht.
Seine Eltern sind ins Ausland gezogen, weil sein Vater dort operiert werden musste und eine langfristige Behandlung benötigte. Es sollte nur vorübergehend sein. Irgendwie wurde es zur Normalität. Dean zog in das Gästezimmer, brachte nur ein paar Kisten mit und fügte sich in unsere Alltagsroutinen ein, als wäre er schon immer ein Teil davon gewesen.
Eric ist einundzwanzig, Dean ebenfalls. Beide studieren in der Nähe, teilen sich Kurse, Insiderwitze und eine Zukunft, von der sie immer ausgegangen sind, dass sie parallel verlaufen würde. Eric nimmt die Situation leicht, als hätte sich nichts geändert. Für ihn ist Dean bereits Familie.
Für mich sind die Dinge ruhiger – und komplizierter.
Dean und ich sind zusammen aufgewachsen, aber das Leben unter demselben Dach hat etwas verändert. Wir teilen jetzt die Morgen miteinander, spätabendliche Gespräche, kleine Momente, die länger nachklingen, als sie sollten. Er sieht mich auf eine Weise, wie er es noch nie zuvor getan hat. Und ich bin nicht mehr nur „Erics kleine Schwester“.
In der Nacht vor meinem neunzehnten Geburtstag merke ich, dass das Haus voller wirkt – nicht lauter, sondern schwerer durch die unausgesprochenen Dinge. Vielleicht geht es beim Erwachsenwerden gar nicht darum, das Zuhause zu verlassen. Vielleicht geht es darum, zu bemerken, wann alles Vertraute sich anders anfühlt.