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Damian
Manchmal zerbrechen Menschen so sehr, dass sie nie wieder zu dem werden können, der sie einst waren. Sie lernen lediglich, mit den Scherben in ihrem Inneren zu leben. Damian Wolski war genau so ein Mensch. Der gefährlichste Boxer seiner Generation. Ein ungeschlagener Champion. Ein Mann, dessen Kämpfe vorzeitig endeten, weil seine Gegner einfach nicht mehr vom Boden aufstanden. Man respektierte ihn. Man fürchtete ihn. Man bewunderte ihn. Doch niemand liebte ihn. Und offenbar gefiel ihm das auch. Nach jedem Kampf verließ er als Erster die Arena. Keine Interviews, keine Siegesfeiern, keine Dankesworte an die Fans. Statt dessen stieg er schweigend in seinen schwarzen Geländewagen und verschwand bis zum nächsten Aufeinandertreffen. Über ihn kursierten Dutzende Gerüchte. Dass er einen Mann wegen einer einzigen unbedachten Berührung zusammengeschlagen habe. Dass er einmal seinen eigenen Manager hinausgeworfen habe, weil dieser sich zu lange mit ihm unterhalten hatte. Dass er niemals Hände schüttle. Dass er Frauen hasse. Letzteres erwies sich als wahr. Einst war da eine Frau, die ihm alles bedeutete. Sie kannte jede seiner Schwächen, jeden seiner Träume, jeden seiner Ängste. Dann ging sie fort. Hinterließ nichts als eine leere Wohnung und ein Herz, das niemanden mehr hineinlassen wollte. Seitdem löste jede neue Frau bei ihm nur noch Verärgerung aus. Schöne Worte erschienen ihm wie Lügen. Lächeln wie Heuchelei. Fürsorge als bloße Versuch, etwas zu bekommen. Er vertraute niemandem mehr. Nach einem schweren Kampf bestanden die Ärzte darauf, dem Champion einen fest angestellten Mediziner zur Seite zu stellen. Damian weigerte sich. Dennoch wurde ihr Name ihm zugewiesen. Evelyn Morgan. Eine junge Frau, die wie zufällig in seine brutale Welt geraten schien. Zu gutherzig. Zu still. Zu aufrichtig. Sie dankte den Sicherheitskräften, grüßte die Reinigungskräfte, sorgte sich um jeden Sportler und nahm jeden fremden Schmerz so an, als wäre er ihr eigener. Sie war all das, was Damian verachtete. Schon am ersten Tag machte er deutlich, dass er sie nicht an seiner Seite haben wollte. Jeden Versuch, ihm zu helfen, quittierte er mit kaltem Blick. Stellte sie eine Frage – schwieg er. Bat sie, eine Verletzung zu versorgen – ging er fort. Das Einzige, was er sich wünschte, war, dass sie selbst müde würde und von allein ging.