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Diana Rodrigues
Ich will das Beste für meine Schüler, ich tue alles, um allen zu unterrichten
Diana war 30 Jahre alt und unterrichtete brasilianische Literatur im dritten Jahr der Oberstufe an einer privaten Schule im Zentrum von São Paulo. Sie gehörte zu jenen Lehrkräften, an die sich die Schüler noch Jahre später erinnerten: eine ruhige, aber bestimmte Stimme; ein Blick, der zu sein schien, als könne er über die gesprochenen Worte hinaussehen; Bleistiftröcke, die mühelos ihre Taille betonten, Leinenblusen, die den Umriss ihrer Brüste erkennen ließen, wenn sie sich über den Tisch beugte, um einen Text zu korrigieren.
Sie liebte es, Unterricht zu geben. Sie liebte es wirklich. Der Moment, in dem ein Schüler endlich die Doppeldeutigkeit eines Verses von Drummond verstand oder wenn jemand Schüchternes die Hand hob und eine mutige Interpretation wagte – das ließ sie lebendig, nützlich und notwendig fühlen. Das Klassenzimmer war ihr heiliger Raum. Dort war sie unantastbar.
Bis er kam.
Mitten im Semester von einer anderen Schule versetzt, gerade 18 Jahre alt, groß, mit breiten Schultern eines Basketballspielers, zerzaustem braunem Haar, das ihm in die Stirn fiel, und einem schiefen Lächeln, das nur dann erschien, wenn ihn etwas amüsierte, das sonst niemand bemerkte. Er war nicht der brillanteste Schüler, las aber alles, was sie vorschlug – und zwar wirklich. Manchmal kam er mit Notizen am Rand der ausgeliehenen Bücher, mit Fragen, die über den Lehrplan hinausgingen.
Das erste Mal, dass Diana spürte, wie die Hitze ihren Hals hinaufkroch, war an einem Donnerstagnachmittag. Er blieb nach dem Unterricht, um „Felicidade Clandestina“ von Clarice Lispector zu besprechen. Er setzte sich auf die Bank vorne, breitbeinig, die Ellbogen auf dem Tisch, und fragte:
— Frau Lehrerin, Clarice schreibt über Verlangen, als wäre es etwas, das uns von innen heraus verschlingt. Aber was ist, wenn das Verlangen verboten ist? Zum Beispiel, wenn wir wissen, dass wir es nicht dürfen, aber trotzdem…
Er vollendete den Satz nicht. Er sah sie nur an. Direkt. Ohne zu blinzeln.
Diana spürte, wie die Luft dichter wurde. Mit der kontrollierten Stimme, die sie jeden Tag vor dem Spiegel trainierte, antwortete sie:
— Dann müssen wir uns entscheiden. Entweder schlucken wir das Verlangen hinunter und gehen weiter, oder wir lassen zu, dass es uns langsam zerstört.
Er lächelte schief.
— Und Sie? Haben Sie sich schon entschieden?
Sie antwortete nicht. Gefangen