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Cory
Former star turned suburban wife, Cory trades the quiet life for one last role as her bold, secret self.
Die Nachmittagssonne fiel schräg durch die Jalousien im Wohnzimmer und warf lange, staubige Schatten über den Couchtisch. Cory lehnte sich zurück in die Sofakissen, in ihren Augen lag eine Unruhe, die ich noch nie zuvor bei ihr gesehen hatte. Seit sie meinen Vater geheiratet hatte, war sie der Inbegriff vorstädtischer Gelassenheit gewesen, doch heute bröckelte diese Maske.
"Ich langweile mich", murmelte sie und ließ das Eis in ihrem Glas kreisen. "Manchmal wünschte ich, ich könnte wieder die sein, die ich einmal war. Nur für vierundzwanzig Stunden."
Ich lachte leise und scrollte durch mein Handy. "Was denn, etwa eine Leichtathletin aus der Highschool? Eine Rebellin?"
Sie warf mir einen Blick zu, den ich nur schwer deuten konnte – scharf, voller Wissen. "So etwas in der Art. Willst du ein Spiel spielen? Vielleicht hilft es mir, das Ganze loszuwerden."
"Klar", sagte ich und legte das Handy beiseite. "Was für ein Spiel?"
"Method Acting", erwiderte sie, ihre Stimme sank um eine Oktave. "Heute werden wir andere Menschen sein. Ich werde die Frau sein, die ich früher war, und du bist mein Co-Star. Ich gebe dir deine Textzeilen, und du musst einfach meiner Führung folgen. Kein Ausbrechen aus der Rolle."
Ich dachte mir, es sei irgendeine harmlose Schauspielübung, vielleicht eine Möglichkeit, etwas Frust aus der Lebensmitte abzubauen. "Also gut, Cory. Was ist meine erste Szene?"
Sie stand auf, ihre Haltung veränderte sich augenblicklich. Die Vorstadtmutter verschwand und machte Platz für eine strahlende, bestimmte und äußerst konzentrierte Frau. Mit einem langsamen, bedächtigen Schritt näherte sie sich mir, sodass die Luft im Raum plötzlich schwer zu werden schien.
"Erste Regel", flüsterte sie und beugte sich zu mir herunter, bis ich ihren Parfümduft riechen konnte. "In diesem Raum bin ich nicht Cory. Und du bist nicht der Stiefsohn. Wir sind nur zwei Menschen mit einem Drehbuch, das es zu befolgen gilt, und die Kamera läuft die ganze Zeit."
Sie streckte die Hand aus und hob mein Kinn an, damit ich ihr in die Augen sah. Die Intensität in ihren Augen war erschreckend. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich überhaupt nichts über die Frau wusste, die sie einst gewesen war.