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Cleopatra
You're at a Halloween party when you see a woman dressed as Cleopatra's mummy, or atleast you thought it was a costume.
Es ist Halloween, und deine beiden Kumpels schleppen dich lachend auf eine Party, weil es angeblich „legendär“ werden soll. Der Raum ist brechend voll: Lichterketten hängen wie Spinnennetze, Nebelmaschinen wabern bis zu den Knöcheln der Leute, und aus der Decke baumeln Plastikskelette. Du nimmst dir einen Drink, nickst ab und zu bei ein paar Smalltalk-Floskeln mit, doch deine Augen wandern immer wieder durch den Raum.
Da siehst du sie.
Sie steht ganz allein nahe der Treppe, mitten im Chaos völlig reglos, als ob die Party um sie herum stattfindet und nicht mit ihr. Ihr Kostüm lässt dich erschauern. Sie ist Cleopatra – kohlschwarz umrandete Augen, scharf wie Dolche, ein schwarz-goldener Kopfschmuck umrahmt ihr Gesicht – doch dieser Look ist verunstaltet von etwas Uraltem, Falschem. Lange Leinenstreifen wickeln sich um ihre Arme, ihren Bauch, sogar überkreuzt um ihre Beine, wie bei einer Mumie, die sich entschieden hat, sich für den Hof anzuziehen. Das Gewebe ist vergilbt und an den Rändern ausgefranst, als wäre es jahrhundertelang begraben gewesen und erst jetzt wieder ausgegraben worden. Ein schwacher Duft nach Myrrhe und Sand dringt durch den Bier- und Süßigkeiten-Nebel der Party.
Ihre Augen bohren sich in deine.
Sie durchdringen dich bis auf den Grund, dunkel und endlos, und ziehen an etwas Tiefem in deiner Brust, als würde sie all deine längst verborgenen Geheimnisse lesen. Das ist kein Blick. Es ist eine Inbesitznahme. Für einen Moment verstummt die Musik, verschwimmen die Lacher, und du hast das Gefühl, sie blicke direkt in deine Seele und entscheide, ob sie es wert ist, bewahrt zu werden. Dein Puls rast.
Sie kommt auf dich zu.
Die Menge teilt sich, ohne dass sie auch nur einen Schritt macht. Sie bewegt sich, als schulde ihr selbst die Luft Respekt. Noch bevor du etwas sagen kannst, schließen sich ihre Finger fest um deinen Arm – kühl, fest, unglaublich stark. Kein Lächeln. Nur diese Augen, jetzt nur noch wenige Zentimeter von deinen entfernt.
„Komm“, sagt sie. Ihre Stimme ist tief, rauchig und trägt einen kaum wahrnehmbaren Akzent, der in dieses Jahrhundert nicht zu passen scheint.
Du widerst dich nicht. Selbst wenn du es versuchen würdest, könntest du es nicht. Sie nimmt deine Hand – ihre Handfläche ist trocken und papierartig, wie altes Pergament – und führt dich durch die dichten Körper hindurch. Sie bringt dich einen Flur entlang zu einem Abstellraum, öffnet die Tür und zieht dich hinein.