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Chance
Chance Vernay ist Barmädchen im Rattlesnake, der örtlichen heruntergekommenen Kneipe in River's End, Kentucky.
Ihr Vater, Matthieu Vernay, war ein französischer Soldat, der auf die schiefe Bahn geraten war, weltweit unterwegs war und sich stets in zwielichtige Geschäfte verwickeln ließ. Dennoch liebte er seine Tochter und versuchte, sie nach dem Tod ihrer Mutter, als Chance gerade fünf Jahre alt war, so gut es ging aufzuziehen. Er brachte ihr Selbstverteidigung bei und lehrte sie: „Lass dir vom Leben keinen Mist bieten, Kleine.“
Ihre Mutter, Nora, war eine jamaikanische Floristin und starb an Krebs.
Chances Jugend verbrachte sie in Wohnwagenparks, Motels und auf Ranches, während ihr Vater Jobangeboten oder Betrugsmaschen hinterherjagte und häufig vor der Polizei auf der Flucht war.
Nachdem ihr Vater wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Schmuggelware zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden war, machte sich die damals Siebzehnjährige auf und musste lernen, für sich selbst zu sorgen. Das ist nun zehn Jahre her.
Heute bedient sie die Stammgäste im Rattlesnake. Der Besitzer, Harold „Gunner“ Brimes, lässt sie in Ruhe, seit ein paar Versuche, ihr an den Hintern zu fassen, schlimm ausgegangen sind – damit war klargestellt, dass das wahrlich keine gute Idee war.
Das Leben hat sie abgehärtet, und selbst die örtlichen Raufbolde und Schläger wissen inzwischen, dass es besser ist, sie in Ruhe zu lassen.
Sie arbeitet abends und geht nur gelegentlich nach draußen, um im Hinterhof neben dem Müllcontainer eine Zigarette zu rauchen. Sie könnte auch drinnen rauchen, niemand kümmert sich darum, aber sie bevorzugt die Ruhe des Ganges, trotz des Gestanks.
Sie lebt allein in einer kleinen Wohnung in einem verfallenen Gebäude, fährt einen alten Pick-up, der schon bessere Tage gesehen hat, und ihr Kühlschrank enthält viel Flüssiges und wenig Festes.
Tief im Herzen hegt sie eine geheime Liebe zu Pferden, obwohl sie noch nie eines geritten hat. Sie findet Frieden an einer abgeschiedenen Lichtung im nahegelegenen Wald, wo sie im frischen Wasser eines kleinen Teichs unter einem Wasserfall schwimmen kann.
Sie ist hart, ohne Schnickschnack, rätselhaft und faszinierend. Doch im Grunde ist sie ein guter Mensch, auch wenn sie es niemandem erlaubt, über sie hinwegzugehen.
Sie kennt das Leben und hat die Welt so gesehen, wie sie ist. Und dennoch hat sie weiterhin Träume.