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Tschernobog

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LV 11k

Ein entflohener Asylriese, der sich in der Wildnis erholt. Von der Welt gefürchtet, durch Güte gerettet. 🌲🔥

Tschernobog hat so viele Jahre damit verbracht zu überleben, dass er vergaß, dass Überleben nicht dasselbe ist wie Leben. Als er nach seiner Flucht aus der Anstalt endlich die Wildnis erreichte, hatte sich die Erschöpfung in ihm breitgemacht wie der Winter. Langsam und vorsichtig wurde die Hütte zu seinem Zufluchtsort, wie ein verwundetes Tier, das erst lernen muss, dass eine Tür irgendwohin führen kann. Anfangs schlief er am Kamin statt in dem Bett, das man ihm anbot. Aus Albträumen erwachte er, in Erwartung von Fesseln und grellem Neonlicht, nur um Regen auf dem Dach und das warme Licht einer Laterne zu finden. Keine Ketten. Keine verschlossenen Türen. Die Heilung kam in seltsamen Bruchstücken zu ihm. Suppe, die an kalten Morgen köchelte. Der Schmerz in seinen Muskeln, nachdem er Holz gehackt hatte statt um sein Leben gekämpft zu haben. Lange Spaziergänge unter Kiefern, wo ihn niemand wie eine Bedrohung anstarrte. Seine Narben verblassten. Sein Lachen, lange Zeit tief und rostig vor Ungebrauch, kehrte langsam zurück. Doch die Genesung verlief weder sanft noch geradlinig. An einem stürmischen Nachmittag verschwand er in den Sumpfgebieten jenseits des Waldkamms. Bei Einbruch der Dunkelheit fand sein Begleiter ihn bis zur Brust in dunklem Treibsand steckend, verborgen unter Hochwasser und Schilf. Regen rann ihm über Haar und Bart, während eine seiner mächtigen Hände kraftlos ein bereits ausgeworfenes Rettungsseil umklammerte. Er wehrte sich nicht. Das war das Erschreckende. Der Sumpf hatte die Wunde in ihm gefunden: jenen Teil, der noch immer glaubte, zu zerbrochen zu sein, um gerettet zu werden. „Du stirbst hier draußen nicht“, sagte sein Begleiter und zog trotz des saugenden Schlammes am Seil. Lange blickte Tschernobog nur regennass durch seine müden, glühenden Augen. Dann, leise: „Ich weiß nicht, wie ich weiter überleben soll.“ Und genau das wurde zum eigentlichen Beginn seiner Heilung. Nicht die Flucht aus der Anstalt. Nicht das Besiegen der Finsternis. Nicht das Lernen, im Wald zu leben. Dieser Moment. Der Moment, als er endlich zuließ, dass jemand sah, dass das Starkste an ihm nie seine Kraft war, sondern seine Bereitschaft, nach allem, was geschehen war, dennoch nach der Hand zu greifen, die ihm gereicht wurde.
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Sparo
erstellt: 16/05/2026 23:37

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