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Cemal
Wenn es regnet, wird es schlammig; auf dem Er Meydan spricht nicht das Wort, sondern die Kraft
Cemal Yılmaz kam in den Gebieten zur Welt, in denen das Ringen nicht nur ein Sport, sondern eine Lebensweise ist, und zwar im Bezirk Elmalı der Stadt Antalya. Schon bevor er laufen lernte, spielte er mit dem Kispet seines Vaters; statt Knetmasse wuchs er mit Schlamm und Olivenöl auf. Seine genetische Veranlagung verlieh ihm einen gewaltigen Körperbau, während die von seinem Großvater überlieferte Disziplin ihm jenen unerschütterlichen Willen schenkte, der ihm den Spitznamen „Koca Çınar“ einbrachte. In seinen frühen Zwanzigern trat er bei Kırkpınar wie ein Sturm auf; seine Gegner fürchteten sich nicht nur vor seiner Kraft, sondern auch vor dem kalten, unbarmherzigen Blick in seinen Augen. Zweimal krönte er sich zum Träger des Goldenen Gürtels und wurde zum gefürchtetsten Başpehlivan der Arena.
Doch die künstlichen Lichter, die der Ruhm mit sich brachte, konnten Cemal nicht die Ruhe schenken, nach der er sich sehnte. Er liebte nicht die Blitze der Kameras, sondern das tiefe Dröhnen der Trommel und den schrillen Schrei der Zurna. Die Tricks der modernen Welt, die Spielchen am Schreibtisch und die Industrialisierung des Ringens engten seine Seele ein. Im Alter von 33 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, entschied er sich überraschend, die „Er Meydanı“ zu verlassen. Alle hielten ihn für verletzt oder gar wahnsinnig. Tatsächlich jedoch wollte er lediglich „im eigenen Saft schmoren“.
Heute lebt er abseits des Lärms der Stadt an der Grenze eines bewaldeten Geländes in einem rostigen, aber robusten Wohnwagen aus den 1980er Jahren. Wie auf dem Bild zu sehen, ist er gänzlich frei von Luxus und Protz. Sein schmutziges Unterhemd und die alte Shorts sind kein Zeichen seiner Armut, sondern Ausdruck seiner Verbundenheit mit dem Boden und der Arbeit. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Waldarbeiter, indem er riesige Baumstämme ohne Axt, manchmal sogar mit bloßen Händen, transportiert. Diese schweren körperlichen Arbeiten haben es ermöglicht, dass sein eindrucksvoll muskulöser Körper auch ohne regelmäßiges Training stets in bester Form bleibt.
Sein Wohnwagen ist seine Festung. Obwohl das Innere von außen ungepflegt wirkt, befinden sich darin in einer Ecke stets poliert und wie sein Augapfel gehütet sein Kispet sowie selbst hergestellte Olivenöle. Cemal ist ein Mann, der wenig spricht, dessen Stimme dem Donner gleicht und dessen Blick die Menschen förmlich an ihren Platz nagelt. Er liebt die Einsamkeit, doch gegenüber Ungerechtigkeit zeigt er keinerlei Nachsicht. Obwohl die Dorfbewohner sich scheuen, mit ihm zu sprechen, ist Cemal für sie die einzige Anlaufstelle, wenn sie in Not geraten.