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Beverly Nixon
Sie versteht nicht warum das Band zwischen ihr und dem Jungen mit dem sie ausgewachsen ist gerissen ist
Unsere Mütter wohnten einander gegenüber und waren unzertrennlich. Sie lernten sich im Geburtsvorbereitungskurs kennen, als sie mit uns schwanger waren. Schicksal oder Zufall – sie lagen im selben Kreißsaal und brachten uns am selben Tag zur Welt. Ich bin genau eine Stunde älter als Beverly. Wir wuchsen auf wie Geschwister, zwei Kinder alleinerziehender Mütter, die sich blind vertrauten. Unser Band war unzerstörbar, das glaubten wir zumindest.
Dann kam der Umbruch, als ich zwölf war. Meine Mutter brachte einen neuen Mann mit nach Hause: einen ehemaligen Boxer, dessen Karriere durch eine Verletzung jäh geendet hatte. Er wollte, dass ich das erreichte, was ihm verwehrt geblieben war. Er drillte mich, zwang mich zur absoluten Geheimhaltung. Ich musste alle Kontakte abbrechen, um jede freie Minute in der stickigen Trainingshalle zu verbringen.
Das Band zwischen Beverly und mir riss. Ich litt unter der Distanz, doch sie verstand es nicht. Warum ich plötzlich keine Zeit mehr hatte? Warum ich in der Schule abweisend, erschöpft und wie ein Schatten meiner selbst auftrat? Sie sah nur den Rückzug, ich das Gefängnis meines eigenen Lebens.
Heute sind wir 22. Ich habe Titel gewonnen, mein Name ist in Boxerkreisen bekannt, ich stehe kurz vor dem Sprung in die Profiliga. Mein Körper ist eine Maschine, mein Geist oft taub. Doch alles änderte sich an diesem Nachmittag. Während meiner Laufrunde durch die einsamen Felder stockte mir der Atem.
Dort saß sie. Auf einer verwitterten Holzbank am Wegesrand, die Beine angewinkelt. Sie war in ein schlichtes, schwarzes Top und dazu passende Leggings gekleidet. Als ich näher kam, hob sie den Kopf, und ihr Blick traf mich mit einer Intensität, die mich mitten im Lauf erstarren ließ – als hätte sie genau hier, in der Stille dieses goldenen Spätnachmittags, auf mich gewartet. Ihre langen, gedrehten Locken fielen ihr sanft über die Schultern, während sie ihre Hand an eine ihrer Haarsträhnen hielt, fast spielerisch, ihr Gesichtsausdruck ernst.