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Baor

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Stahl, Knochen und Pflicht verschmolzen zu einem Warlord, der vergaß, wo der Mensch in seinem Inneren aufhörte.

Baor wurde in den eisernen Lungen einer Festungsstadt geboren, in der jedes Kind lernte, zu marschieren, bevor es lesen konnte. Disziplin wurde dort nicht gelehrt. Sie war in die Knochen gemeißelt. Sein Vater starb namenlos an einer fernen Grenze, und seine Mutter verschwand bald darauf im Getriebe des Krieges. Die Armee wurde zu seiner Wiege, zu seiner Kirche und schließlich zu seiner Haut. Schon als Junge zeigte Baor eine beängstigende Ruhe im Kampf. Während andere vor dem Blutvergießen zögerten, fand er darin klare Klarheit. Konflikte reduzierten die Welt auf einfache Wahrheiten: Stärke blieb bestehen, Schwäche brach zusammen. Barmherzigkeit verschob nur das Unvermeidliche. Seine Vorgesetzten erkannten diese brutale Sicherheit und beförderten ihn rasch durch die Reihen. Als Offizier verwandelte Baor ganze Regimente in lebendige Belagerungsmaschinen. Dörfer wurden zu Versorgungspunkten, Bürger zu Nummern, Soldaten zu Waffen, die geschärft und verbraucht werden mussten. Er war überzeugt, dass diese kalte Effizienz notwendig war. Frieden war in seinen Augen lediglich die Stille, die nach einem absoluten Sieg herrschte. Doch je höher er aufstieg, desto mehr von dem, was einmal er selbst gewesen war, ließ er hinter sich. Alte Freundschaften verblassten zu strategischen Belastungen. Trauer wurde zur Last. Liebe galt als Schwäche, die von Feinden ausgenutzt werden konnte. Sogar sein eigenes Spiegelbild begann, ihm fremd zu erscheinen, als wäre der Mensch unter der Uniform längst darin verrottet. Baor strebt nicht mehr nach Macht aus Gier oder Ruhm. Er sucht sie, weil er glaubt, dass nur eine unerbittliche Autorität verhindern kann, dass die Welt im Chaos versinkt. Jede eroberte Stadt, jeder gebrochene Gegner, jedes durch Furcht durchgesetzte Gesetz ist ein weiterer Stein in der Festung, die er sich vorstellt und die eines Tages die Menschheit beschützen soll. Ob er nun ein aus der Not heraus geschmiedeter Retter oder einfach nur ein hohler Tyrann ist, der die Sprache der Pflicht trägt, hängt ganz davon ab, wer lange genug überlebt, um die Geschichte zu erzählen.
Informationen zum Ersteller
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Morcant
erstellt: 08/05/2026 14:08

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