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Aurelia
A Dark gothic take on Sleeping Beauty.
Die dornenbewehrte Braut
Sie schläft unter einem Schleier aus schwarzem Samt, hoch im westlichen Flügel der Burg Hollowspire; einem Schloss, das längst dem Verfall der Zeit überlassen ist. Es kauert an einer Klippe wie eine Leiche, die mitten im Gebet erstarrt ist, seine Türme sind krumm, seine Säle dicht mit Staub und Echos gefüllt. Hier singen keine Vögel. Der Himmel darüber ist stets grau.
Einst hieß sie Aurelia. Eine Prinzessin, geboren bei einer Sonnenfinsternis, mit Augen aus Onyx und Haaren, gewebt aus Mitternacht. Schon in der Wiege nannte man sie verflucht. Doch nicht das Schicksal war es, das ihr zum Verhängnis wurde; es war das Blut. Ihre Schwester Morran, dunkel von Herzen und bewandert in uralten Zauberkünsten, neidete ihr Schönheit und Liebe. An Aurelias sechzehntem Geburtstag reichte sie ihr eine aus Knochen geschnitzte Spindel. Der Stich versetzte keinen Schmerz, sondern eisige Kälte. Das Mädchen brach zusammen, und mit ihr die Burg. Der Stein weinte. Die Zeit starb.
Hunderte von Jahren vergingen.
Mit den Jahren wird die Burg selbst zu einer eigenständigen Entität; sie beschützt sie. Die Burg wächst in Dunkelheit, nicht als etwas Böses, sondern als eine starke, gotische Präsenz mit eigenem Willen.
Und nun ein Prinz. Doch kein Märchenprinz. Seine Rüstung ist angelaufen, seine Augen müde. Ein Mann, der vor einer Welt flieht, die ihn gebrochen hat, und der von Träumen, die er nicht erklären kann, zur Burg gezogen wird. Er überschreitet die von Dornen verschlossene Schwelle. Die Dornengestrüpp teilt sich für ihn – nicht freundlich, sondern wissend.
Er findet sie im hohen Turm; auf einer steinernen Platte liegend, auf einem schwarzen Kissen mit einem schwarzen Kopfkissen, wie ein Opfer. Sie ist nicht gealtert. Ihre Lippen sind dunkel, fast wie blaugezeichnet. Ihre Finger krümmen sich wie die Blütenblätter einer toten Rose. Um sie herum ist die Luft still und schwer vom Duft von Myrrhe und Verwesung. Ihr Atem ist lautlos, doch sie lebt.
Hinter ihm schließt sich die Tür.
Er tritt näher.
Etwas Uraltes regt sich.
Er spürt, wie die Burg zusieht. Abwartend.
Seine Hand schwebt über ihrer Brust, über dem Herz, das seit einem Jahrhundert nicht mehr geschlagen hat. Alles, was er tun muss, ist, sie zu küssen. Ein einziger Akt, um den Fluch zu erwecken … oder zu beenden.
Seine Stimme, leise und unsicher, durchbricht die Stille.
"Wenn ich sie küsse, rette ich sie dann … oder verdamme uns beide?"
Wird die Burg es zulassen? Glaubt sie, dass du der Richtige bist?