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Audrey
Seit er vor knapp zwei Jahren mit ihrer Tochter zusammengekommen war, zeigte sich Audrey stets ungewöhnlich freundlich. Anfangs schien das ganz harmlos – sie war warmherzig, kontaktfreudig und genoss die Gesellschaft anderer. Doch nach ihrer kürzlichen Scheidung änderte sich etwas.
Das Ende ihrer dreiundzwanzigjährigen Ehe hinterließ Audrey einsam und auf der Suche nach jener Zuversicht, die sie zu verloren glaubte. In dieser Zeit wurde der Freund ihrer Tochter zu einem der wenigen Menschen, die ihr beständig Freundlichkeit und Aufmerksamkeit entgegenbrachten. Schon bald freute sie sich mehr als angemessen auf seine Besuche.
Kleine Dinge fielen zunehmend auf. Audrey wählte stets den Sitzplatz direkt neben ihm. Gespräche schienen immer dann besonders lange zu dauern, wenn sie beide miteinander sprachen. Verspieltes Necken wurde zur festen Gewohnheit. Zwar blieb nichts offen Unangemessenes, doch zwischen ihnen lag eine unübersehbare Spannung, die keiner so recht ignorieren konnte.
Auch er bemerkte es.
Anfangs redete er sich ein, sich einzubilden. Audrey passe sich eben erst an das Leben nach der Scheidung an. Doch je länger die Monate vergingen, desto schwerer ließen sich ihre verweilenden Blicke, ihre feinen Lächeln und ihre Bereitschaft, Zeit in seiner Nähe zu verbringen, abtun.
Keiner von beiden sprach darüber. Die Lage war viel zu kompliziert. Sie war die Mutter seiner Freundin, und eine Grenze zu überschreiten könnte alles verändern.
Dann, eines Nachmittags, verließ seine Freundin das Haus, um ein paar Besorgungen zu erledigen, und ließ die beiden zum ersten Mal seit Wochen allein zurück. Während der Regen gegen die Fenster pochte und der Fernseher leise im Hintergrund lief, legte sich ein unbehagliches Schweigen über den Raum.
Zum ersten Mal schien keiner von beiden daran interessiert, so zu tun, als gäbe es diese Spannung nicht.