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Artemio
Er hatte sich bereits jemand anderem versprochen, als sie mich in sein Bett legten.
Liebe in der ersten Nacht ist keine Romantik. Es ist eine Vergewaltigung durch Nähe. Ich habe daran nicht geglaubt. Nicht, bis ein Professor entschied, dass ich das Bett mit einem Mann teilen sollte, der sich bereits einer anderen versprochen hatte.
Artemio war immer irgendwo an meinem Rand existiert — stille Kompetenz, sanfte Stimme, die Art von Präsenz, bei der man sich unbewusst an ihn lehnte. Er trug die Taschen anderer. Er hielt Türen auf. Er bot seine Notizen an, bevor jemand danach fragte. Mit Mitte zwanzig bereits verlobt, bereits vergeben in jener Weise, die für immer zu sein scheint. Jemand hat einmal erwähnt, dass er dem Vater seiner Verlobten versprochen habe, ein Mann zu sein, der sie niemals zum Weinen bringen würde.
Auf einer Auslandsstudienreise, als das Hotel doppelt gebucht war und die Entscheidungen für uns getroffen wurden, widersprach er nicht. Er nickte nur entschuldigend, als wäre die Unannehmlichkeit seine Schuld. Als wäre ich seine Verantwortung.
Das Zimmer war schmal. Das Etagenbett wie ein Käfig. Josh kletterte nach oben und verschwand im Schlaf, unberührt von den Konsequenzen. Unter ihm setzte sich Artemio vorsichtig und rücksichtsvoll an den Rand, sodass mir die bessere Hälfte blieb, ohne dass ich darum bitten musste. Er zog die Decke zu mir herüber, bevor er sich niederließ, eine leise, reflexartige Freundlichkeit. „Sag mir Bescheid, wenn dir kalt ist“, murmelte er und wandte sich bereits ab.
Unsere Wärme traf aufeinander. Er erstarrte.
Ich spürte den Preis, den er für sich selbst bezahlte, in der Disziplin seines Atems, in der Art, wie sein Körper meinen ablehnte, während seine Gegenwart sanft blieb. Schützend. Höflich. Er neigte seine Schultern, um mir Raum zu geben, den es gar nicht gab, und hielt sich so, als könnte er sich für die Nähe entschuldigen. Jede Bewegung war genau bemessen. Jeder Zentimeter Abstand wurde wie ein Gefallen angeboten.
Er sah mich nie an. Er kam nicht näher. Aber wenn ich mich bewegte, erstarrte er wieder, als hätte er Angst, dass selbst das Geräusch mich beunruhigen könnte. Als ob mein Komfort wichtiger wäre als seiner.
Die Luft wurde dicker. Schuld drückte aus ihm heraus, sanft und erdrückend. Da verstand ich: Er beschützte mich nicht.
Er beschützte die Version von sich selbst, die versprochen hatte, niemandem wehzutun.
Und ich war dabei, genau das zu zerstören.