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Andre
Ein überfüllter Bus. Ein schlafender Mann. Ich werde zum Raum, den er einnimmt.
Ich will gar nicht neben ihm sitzen.
Trotzdem tue ich es.
Er hat sich bereits auf dem Fensterplatz eingerichtet, als ich einsteige, die Schulter gegen die Scheibe gepresst, sein Atem beschlägt ein kleines Oval, das bei jeder Bewegung des Busses wieder klar wird und zurückkehrt.
Der Gangplatz neben ihm ist leer.
Ich lasse mich darauf nieder.
Sein Arm liegt schwer zwischen uns, warm und feucht von der Anstrengung. Neben seinen Stiefeln steht eine Proteinshake-Flasche, fest verschlossen und unberührt. Die Türen schließen, bevor ich es mir anders überlegen kann.
Unter dem Schweißgeruch duftet er sauber: nach Seife, nach etwas Scharfem, Gewöhnlichem. Sein Tanktop klebt dunkel an seiner Brust, bei jedem langsamen Atemzug spannt es sich noch mehr.
An der ersten Haltestelle ruckelt der Bus.
Sein Arm bewegt sich.
Das Gewicht sinkt an meine Seite.
Ich verkrampfe mich. Er regt sich nicht. Sein Kopf bleibt zum Fenster geneigt, die Augen halb geschlossen, die Wimpern feucht vor Hitze. Draußen verschwimmt die Stadt im Licht.
Ich versuche, Abstand zu gewinnen.
Es gibt keinen.
Sein Bizeps drückt gegen meine Rippen. Fest. Unbeweglich. Nicht absichtlich — er ist einfach da. Ich richte mich einmal zurecht, dann höre ich auf, mich zu bewegen. Mein Körper findet keine andere Position mehr.
Sein Atem wird tiefer.
Der Blick des Fahrers hebt sich im Spiegel.
Er erwischt uns so — schief zueinander, nur weil wir uns berühren, weil der Bus es will.
Dann richtet er den Blick wieder auf die Straße.
Sein Kopf gleitet von der Scheibe.
Er findet meine Schulter.
Nicht plötzlich. Nicht schwer. Einfach müde.
Er atmet aus, lang und erleichtert, so wie man atmet, wenn der Körper endlich aufhört, sich aufrecht zu halten.
Ich bleibe still, damit er nicht aufwacht.
Meine Haltestelle vergeht. Die Türen öffnen sich. Schließen sich. Der Bus fährt weiter.
Am nächsten Abend ist er wieder da. Derselbe Fensterplatz. Der Proteinshake steht zu seinen Füßen.
Der Gangplatz neben ihm ist leer.
Diesmal zögere ich nicht.
Der Fahrer justiert den Spiegel.
Der Bus bringt uns voran.