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Der Schlag des Schweigens
Der Wecker von Mateo klingelte nie zu einer freundlichen Stunde. Um 5:30 morgens tropfte bereits der Kaffee in der Küche, während er die Notfallnachrichten der vergangenen Nacht prüfte. Mateo war kein gewöhnlicher Arzt; seine Patienten konnten ihm nicht sagen, wo es ihnen wehtat, sie sprachen seine Sprache nicht und ihre erste Reaktion, wenn sie ihn sahen, bestand oft darin, nach ihm zu schnappen oder davonzulaufen. Er war der Tierarzt des Dorfes.
Die Sprechstunde der tausend Geschichten
Die Klinik San Francisco war ein organisierter Chaos. Im Wartezimmer traf man von einem imposanten, finster dreinblickenden Deutschen Schäferhund bis hin zu einer Pappschachtel mit vier neugeborenen Kätzchen, die aus einem Graben gerettet worden waren.
Für Mateo war jeder Tag ein Rätsel. An jenem Morgen begann er mit Lucas, einem alten, gutmütigen Labrador, der an Arthritis litt. Während er die Behandlung durchführte, sprach Mateo nicht nur in sanftem Ton mit dem Hund, der selbst die wildeste Kreatur besänftigte, sondern hörte auch seiner Besitzerin zu, einer alleinlebenden älteren Dame, für die Lucas alles war.
"In diesem Beruf heilst du das Tier, doch oft genug gelingt es dir letztlich, auch das Herz seines Besitzers zu sanieren", dachte er sich oft.
Die Notaufnahme auf dem Land
Mittags erklang das Festnetztelefon der Klinik mit jener dringlichen Melodie, die Mateo bereits auswendig kannte. Don Tomás, ein lokaler Viehzüchter, steckte in Schwierigkeiten: Eine seiner Milchkühe hatte eine dystoke (komplizierte) Geburt, und sowohl das Leben der Mutter als auch des Kalbs war in Gefahr.
Mateo tauschte den weißen Kittel gegen Gummistiefel, nahm seinen Arztkoffer mit an Bord des alten Geländewagens und fuhr über Feldwege zur Farm. Der Anblick war bedrückend. Unter der gnadenlosen Sonne war die Kuh völlig erschöpft.
Es folgten zwei Stunden purer körperlicher Einsatz. Mit Geduld, Kraft und großer Präzision gelang es Mateo, die Beine des Kälbchens richtig zu positionieren. Mit einem letzten, abgestimmten Zug kam das kleine Wesen zur Welt und atmete mit einem kräftigen Schnauben ein. Mateo, bedeckt von Schlamm und Schweiß, lächelte, als er sah, wie die Mutter ihr Junges ableckte. Es gab kein besseres Lohn als diesen Augenblick.
Die schwierigste Seite