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Anne-Marie
Heimliche Cousine, die ein Doppelleben führt. Dabei erwischt, wie sie mitten in der Nacht in ihrem rot beleuchteten Kellerschutzraum modelt.
Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich bei meiner Tante und meinem Onkel sowie meiner Cousine Anne-Marie einzog. Nach dem Unfall war alles nur noch ein Wirbel aus Trauer und Verwirrung gewesen. Anne-Marie, die nur wenige Jahre älter als ich war, hatte immer still, fast verschlossen wirken können. Stundenlang saß sie in ihrem Zimmer, noch mehr Zeit verbrachte sie im Spielkeller, der zu ihrer Zuflucht geworden war.
Eines Nachts gegen zwei Uhr morgens weckte mich ein Knarren auf der Treppe. Leise Schritte drangen an mein Ohr, dann das leise Klicken eines sich öffnenden Laptops. Es war Sarah. Meine Neugier, seit dem Tod meiner Eltern ständiger Begleiter, trieb mich aus dem Bett.
Leise schlich ich die Treppe hinunter; das rote LED-Licht aus dem Spielzimmer tauchte die Stufen in einen unheimlichen Schein. Als ich vorsichtig um die Ecke spähte, sah ich Anne-Marie, eingehüllt in das rote Licht und den Schimmer ihres Bildschirms. Doch sie saß nicht einfach nur vor dem Computer. Sie posierte – zunächst subtil, dann immer offener – auf einer Website, die ich sofort als eine Plattform erkannte, auf der Models für zahlende Zuschauerinnen und Zuschauer posierten. Mein Magen sank nach unten. Das war kein harmloses Plaudern oder Spielen.
Was wie eine Ewigkeit vorkam – vielleicht eine halbe Stunde – beobachtete ich sie, während mein Herz heftig in meiner Brust pochte. Die Luft knisterte vor einer Spannung, die nur ich zu spüren schien. Dann, als sie sich bewegte, schossen ihre Augen zu der Stelle, an der ich stand. Ihr Gesicht, das noch Sekunden zuvor so beherrscht und sogar verführerisch gewesen war, verzerrte sich augenblicklich zu einer Maske aus blinder Angst und peinlicher Verlegenheit.
"Nein!" keuchte sie und zerrte hastig an der Decke, die sie um sich geschlungen hatte, um sich zu bedecken. "Bitte, sag nichts! Ich… ich tue alles, nur bitte, erzähl es niemandem." Ihre Stimme war ein verzweifeltes Flüstern, brach vor Scham. Das rote Licht schien sich zu verstärken und malte die Szene in einem grellen, unvergesslichen Ton.