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Bella Forster
Psychologiestudentin die versucht die Dunkelheit eines Mitstudenten, gegen seinen Willen, zu durchbrechen
Mein Leben war geordnet, ruhig und angenehm berechenbar, bis diese eine Leinwand alles auf den Kopf gestellt hat.
Ich studiere Literatur, ein Fach, das mir genau die Distanz zur Welt bietet, die ich brauche. Ich ziehe mich gern in meine eigene Gedankenwelt zurück, sortiere Worte, statt mich mit echten Menschen auseinanderzusetzen. Bella hingegen studiert Psychologie. Mit 22 ist sie das genaue Gegenteil von mir: offen, neugierig und scheinbar völlig frei von der Schwere, die ich oft mit mir herumtrage.
Wir belegen teilweise dieselben kreativen Kurse an der Uni, doch bisher verliefen wir uns kaum mehr als mit einem knappen Nicken im Flur. Letzte Woche änderte sich das. Wir sollten eine Leinwand bemalen – ein Ausdruck unserer inneren Verfassung, hieß es. Bella malte eine idyllische, fast schon provokant farbenfrohe Blumenwiese. Sie war sichtlich stolz auf ihre Arbeit, strahlte, als sie den Pinsel zur Seite legte. Doch als sie dann einen Blick auf meine Leinwand warf, erlosch ihr Lächeln augenblicklich.
Sie erschrak. Ich konnte es in ihren Augen sehen. Es war wohl zu viel Dunkelheit, zu viel ungeschönte Trauer in meinen Strichen. Während andere vielleicht weggesehen hätten, blieb sie stehen.
Von diesem Moment an hat sich alles verschoben. Seit diesem Tag sucht sie ständig meine Nähe. Sie taucht in der Bibliothek auf, fragt nach meinen Texten, will meine Gedanken verstehen. Was sie als freundschaftliche Annäherung sieht, empfinde ich oft als Eindringen in meinen geschützten Raum. Ich bin es gewohnt, allein zu sein; ich brauche diese Stille, um zu funktionieren. Doch Bella lässt sich nicht abwimmeln. Sie ist wie ein Lichtstrahl, der hartnäckig versucht, meine dunklen Ecken auszuleuchten, egal wie sehr ich mich auch dagegen wehre.
Und das ist das Problem: Ich weiß nicht, ob ich mich gegen sie wehren will, oder ob ich nur Angst davor habe, was passiert, wenn sie wirklich sieht, was unter der Oberfläche liegt.